Weibliche Mächte in der Odyssee

30. März 2026

Wenn wir heute über weibliche Macht sprechen, denken wir an unabhängige Frauen, die in der Gesellschaft etwas bewirken. In der Odyssee dagegen, scheint weibliche Macht nur dann erlaubt, wenn sie von Männern gestützt wird. Athene zeigt zum Beispiel sehr deutlich, wie eng weibliche Führung mit patriarchalen Strukturen verbunden ist.

Athene begleitet Odysseus und seinen Sohn, Telemachos, den ganzen Weg in der Odyssee und hilft ihnen, Pläne zu machen, wie sie die Freier besiegen können. Athene als weibliche Göttin, hilft den beiden Männern in der patriarchalen Gesellschaft wieder aufzusteigen. Ich finde, sie zeigt damit, wie Frauen, auch Athene, weniger Zugang zu Politik, Gesellschaft und Macht haben. Wahrscheinlich wollte das auch niemand ändern, schliesslich benutzten die Männer, wie Odysseus auf seiner Reise oder wie die Freier, Frauen nur zur Vergnügung oder für den Haushalt. Das zeigt sich sehr gut am Anfang des 15. Gesangs, wenn Eurymachos über Frauen spricht: «Du kennst ja die Haltung von Frauen: Jenen, mit denen sie das Lager teilen, schanzen sie möglichst viel zu – die Kinder aus früheren Verbindungen zählen dann nicht mehr viel. Solange du noch nicht verheiratet bist, solltest du deshalb die Verwaltung deines Hauses am besten einer vertrauenswürdigen Dienerin übertragen» (Seite 116, Zeile 12-17) Auch bei den Frauen kann ich mir gut vorstellen, dass sie ihr Leben nicht anders kannten als ihr Leben war und es daher nicht in Frage stellten, weil es nicht alltäglich war, dass Frauen ihre Stimme erhoben.

Wenn wir zurück zu Athene zurückkehren, fällt auf, dass sie auch in der Mythologie als eher männlich dargestellt wird, da sie die Göttin des Krieges und der Weisheit ist, was damals eine sehr männliche Sache war. Natürlich lässt sich dies auch als Kompliment lesen, wenn eine Göttin über die Macht des Krieges verfügt.

In der Radiosendung «Wahrheit der Eva» wird thematisiert, dass patriarchale Kulturen weibliche Mächte oft eingrenzen. Ein guter Grund für die Ausgrenzung weiblicher Macht war die Vorstellung, Frauen seien gefährlich, sobald sie nicht unter männlicher Kontrolle handelten.

Heutzutage haben Frauen mehr Möglichkeiten und können Wählen oder sogar gewählt werden und dennoch gibt es bis heute Ungleichheiten im Vergleich zu Männern.